Aftershowparty


Die geheimnisvolle Fremde


Dance for me Baby!


Nachholstunde mit Folgen

Kapitel 49

Wenig später fuhr der Van in die Tiefgarage des Hotels. Morgen früh würde es zu meinem Freund nach Hause gehen. Ich war wirklich auf Toms Zimmer gespannt. Sämtliche Einrichtungsstile schwirrten mir im Kopf herum. Von total bunt und chaotisch bis schlicht und ordentlich. Heute Abend stand allerdings etwas ganz anderes auf dem Programm. Ich musste mit Bill sprechen. Unbedingt. Unter vier Augen. Mir ging es einfach nicht in den Kopf, warum er sich so merkwürdig verhielt. Das war ja nicht wirklich seine Art. Zumindest hatte ich mir ein komplett anderes Bild gemacht. Ob ich mich getäuscht hatte? Wir werden sehen. Der Van kam zum Stehen und auch der Motor wurde abgestellt. Georg zog die Ohrstöpsel aus seinen Ohren und stieg aus. Tom und ich taten es ihm gleich und stiegen ebenfalls aus. Gemeinsam liefen wir zum Aufzug und fuhren in unser Stockwerk. Tom lief direkt auf unser Hotelzimmer zu und öffnete es. „Treffen wir uns heute Abend in einem Hotelzimmer?“, fragte Tom noch. Georg nickte uns zu. „Bei mir um acht?“, stellte er die Gegenfrage. Diesmal nickten wir beide. Es war jetzt 18.30 Uhr. Da hatte ich hoffentlich noch genügend Zeit, um mit Bill zu sprechen. Tom ging ins Hotelzimmer, ich folgte ihm kurzer Hand. Tom blieb wahllos mitten im Zimmer stehen. Wahllos steuerte er auf das Bett zu und setzte sich darauf. Da mir auch nichts besseres einfiel, setzte ich mich einfach neben ihn. Es vergingen ein paar Minuten, in denen wir einfach unseren Gedanken nachhingen. „Was sollen wir denn jetzt tun?“, stellte mir Tom die Frage. Ich zuckte mit den Achseln. Einen Vorschlag konnte ich auch nicht machen. Meine Tasche vibrierte. Ich zuckte aus meinen Gedanken, angelte mir mein Handy aus der Tasche und las. Es war eine SMS von meiner Schwester. Sie fragte mich lediglich, wie mir Berlin gefallen würde, und ob alles in Ordnung sei. Schnell tippte ich die Antwort, dass alles Bestens sei. Man macht schließlich keine Pferde scheu! Als ich die SMS abgeschickt hatte, kam mir eine Idee. Schnell rief ich eine leere SMS auf. „Hey Gustav! Du, ich muss mal Bill unter vier Augen sprechen. Bist du noch bei ihm? Wenn ich jetzt zu Bill gehe, und mich Tom fragt, was ich da wolle, muss ich ja irgendwas sagen. Er wird bestimmt auch mitkommen wollen um zu sehen, wie es seinem Bruder geht. Kannst du nach einer Weile Tom in ein Gespräch verwickeln und den Raum verlassen? Das wäre echt superlieb von dir! Lg, Steffi“, tippte ich flink in die Tastatur. „Nachricht gesendet“, blinkte kurz darauf im Display auf. Jetzt hoffte ich auf eine schnelle Antwort von Gustav. Hoffentlich lies er sich was sinnvolles einfallen, wie er Tom aus dem Zimmer lotsen konnte. Ich fühlte mich richtig mies und betrügerisch dabei. Aber ich wollte ja nur herausbekommen, was mit Bill los war. Und ich war mir sicher, dass er vor seinem Zwilling den Unnahbaren spielen würde. Gedankenverloren hielt ich mein Handy in meinen Händen, drehte und wendete es. „Zeigst du mir dann Loitsche und Magdeburg?“, versuchte ich ein Gesprächsthema zu beginnen. Toms Augen strahlten augenblicklich. „Klar! Jeden kleinsten Winkel!“, rief er begeistert aus. „Gut, in Loitsche dürften wir schnell fertig sein, aber Magdeburg ist einfach ein Traum. Egal ob in Sachen Shoppen oder Stadt anschauen, Eis essen oder sonst was“, fuhr er fort. „Eis essen... im Januar“, ich zog meine rechte Augenbraue nach oben. „Naja, im Januar nicht, aber im Sommer eben. War ja nur ein Beispiel“, verteidigte er sich. Mir viel es ziemlich schwer, nicht laut los zu lachen. Tom merkte meinen unterdrückten Lachdrang. „Was lachste denn jetzt?“, spielte er den schmollenden. Richtig schön schob er seine Unterlippe nach vorne. „Nich schmollen...“, erwiderte ich und lehnte mich eng an Tom. Ich setzte ein kleines Küsschen auf seine Schmolllippe. Sofort zierte wieder ein fröhliches Lächeln Toms Gesicht. „Na, das sieht doch schon gleich viel besser aus“, verkündete ich ebenfalls fröhlich. Mitten im Rumalbern bemerkte ich den erneuten Vibrationsalarm meines Handys. Gustav hatte mir geantwortet. „Hey. Ich bin noch drüben. Kommt rüber. Gustav“, konnte ich lesen. „Wollen wir mal nach Bill schauen, obs ihm schon besser geht?“, schlug ich auch prompt daraufhin vor. Tom sah man an, dass er sich offenbar wegen des schnellen Themenwechsels wunderte. Doch er sagte deshalb nichts. „Klar, komm lass uns mal schauen, was mein Brüderchen so treibt“, bestätigte er mein Vorhaben. Wir standen also beide auf und gingen aus unserem Hotelzimmer zu Bills Zimmer. Zaghaft klopfte ich an. Keine Reaktion. Nun klopfte Tom an und ich hatte schon Angst, er wolle die halbe Tür einschlagen. „Kräftiger Schlag“, schmunzelte ich vor mich hin. Kurz darauf öffnete auch Bill schon die Tür. „Was gibt’s?“, wollte er kurz angebunden wissen. „Wir wollten sehen, wies dir geht“, verkündete Tom. „Gut“, meinte Bill kurz angebunden. „Dürfen wir nicht reinkommen?“, fragte ich irritiert. „Ähm, doch. Von mir aus“, meinte er und ging einen Schritt zur Seite. Tom und ich traten ein und schlossen hinter uns die Tür. Gustav saß auf einem Stuhl und sah mich etwas hilflos an. „Setzt euch“, kam es recht tonlos seitens Bill. Wir taten, wie uns geheißen und setzten uns ebenfalls auf Stühle. Keiner sagte etwas, es herrschte unangenehme Stille. „Tom? Kommst du mal mit? Ich muss dir was im Internet zeigen“, durchbrach Gustav die Stille. Tom runzelte die Stirn. „Muss das jetzt sein?“, murrte er vor sich hin. „Ja, muss es“, bekräftigte der Drummer, stand auf und zog Tom am Arm. Missmutig stand dieser auf und trottete hinter ihm her. „Ich komm gleich wieder“, brummte er. Hoffentlich konnte Gustav ihn lange genug aufhalten. Die Tür schloss sich hinter den Beiden. Jetzt war ich mit Bill allein. Endlich konnte ich ungestört mit ihm reden. Doch, wo sollte ich bloß anfangen? „Du? Bill?“, fing ich vorsichtig an. Besser als nichts. „Hm?“, kam es geistesabwesend von Bill. „Was war denn heute wirklich los im Krankenhaus?“, setzte ich ohne Umwege an. Bill schaute mich irritiert an. „Was soll da gewesen sein? Gustav hat doch angerufen und gesagt, dass mir schlecht wurde“, kommentierte er. Bill saß direkt mir gegenüber. Ich griff nach seinen Händen. Mir tat es im Herzen weh, wie er mich anlog. Erschrocken zog Bill diese zurück. „Was ist los Bill? Warum schaust du mich so an? Reagierst so komisch auf mich?“, hakte ich konkret nach. Mit offenem Mund starrte mich Bill an. „Aber, dass tu ich doch gar nicht“, versuchte er sich zu verteidigen. Fassungslos schüttelte er wie zur Bekräftigung seinen Kopf. „Bill! Ich bild mir das doch nicht alles ein. Sprich doch mit mir. Ich hab das Gefühl, da steht etwas zwischen uns. Das möchte ich nicht. Ich bin mit deinem Bruder zusammen und möchte aber auch mit euch anderen Jungs ein gutes Verhältnis haben“, plapperte ich drauf los. Bills Blick wandelte sich von erschrocken zu traurig. Er senkte seinen Blick und spielte mit meinen Fingern. Was war denn jetzt los? Aus diesem Jungen wird aber auch gar niemand schlau. „Bill? Schau mich mal an“, verlangte ich. Zögernd hob Bill sein Gesicht und schaute mir in die Augen. Ich sah eine einzelne Träne über seine linke Wange laufen. Er weinte. Aber warum weinte er? Erschrocken blickte ich nun ihn an. „Bill? Was ist los?“, fragte ich erschrocken. Schnell lief ich um den Tisch und setzte mich auf den Stuhl direkt neben ihn. Er ließ den Blick wieder sinken. Ich wollte ja nur wissen, was los war. Ihn trösten. Wortlos stand Bill auf und stellte sich ans Fenster. Na nu? Aber so ganz ohne Erklärung lass ich mich doch auch nicht abspeisen. Ich kann doch keinen weinenden Bill hinterlassen, ohne überhaupt zu wissen, warum er denn weinte. Also stand ich ebenfalls auf und stellte mich neben ihn. „Bill, was ist los. Sags mir doch. Wenns so schlimm ist, wird ich auch niemandem etwas erzählen“, schwur ich ihm. Bill blickte mich traurig von der Seite an. „Ich kanns dir nicht sagen“, flüsterte er. Seine Stimme war fast nur noch ein Hauch. „Warum nicht? Mit mir kann man doch über alles reden“, versuchte ich ihn zu überreden. Merklich ging ein Ruck durch Bill. Augenblicklich liefen tausende von Tränen über sein Gesicht. „Das Problem ist doch, dass du mit Tom zusammen bist!“, schluchzte er. „Aber?“, fragte ich weiter, konnte mit dieser Antwort nichts anfangen. „Mensch, siehst dus denn gar nicht?“, winselte er fast. Ich schüttelte den Kopf. Was sollte ich denn sehen? „Ich hab mich in dich verliebt! Spätestens beim Shoppen wusste ich es. Eigentlich wollte ich derjenige an Silvester sein, der neben dir sitzt und mit dir spricht. Doch Tom hatte sofort das Kommando übernommen und du bist total auf ihn angesprungen“, weinte Bill weiter. Geschockt riss ich die Augen auf. „Du hast dich in mich verliebt?“, fragte ich nochmals leise nach. Bill nickte nur noch stumm. Wie solls denn jetzt weiter gehen? Kann das überhaupt gut gehen, wenn ich mit Tom zusammen bin, ihn liebe und immer daran denken muss, dass es Bill dabei nicht gut geht. „Aber ich liebe doch Tom“, kam es tonlos von mir. Super, reib doch auch gleich noch mehr Salz in die Wunde. Steffi, ich bin stolz auf dich. Völlig haltlos weinte Bill weiter. Völlig machtlos stand ich daneben. Langsam schien er sich doch wieder zu beruhigen. Er wischte sich mit seinem Ärmel über die Augen. „Du? Steffi? Tust du mir nen Gefallen?“, wandte sich Bill an mich.

18.2.08 18:16
 


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